Geschichte

 

Der Ursprung des Schweizer Vereins Jestetten geht zurück in die wirren Kriegs- und Nachkriegsjahre. Vor dieser Zeit, durch den Zollausschuss des Jestetter Zipfels bis 1935 war die wirtschaftliche Verbundenheit mit dem Heimatland sowieso gegeben, bis zum Beginn des Krieges konnte man sich mit der NS-Regierung noch arrangieren. 1945 war eine ganz andere Situation entstanden, denn in Jestetten hatte die Besatzungsmacht das Sagen. Schweizer Staatsbürger wurden zwar nicht evakuiert, doch ansonsten waren sie nicht sonderlich privilegiert, was den Alltag in Jestetten betraf. Sie unterstanden denselben Ausgangsbeschränkungen, der Lebensmittelrationierung, den Requisitionen und den Bestimmungen über Abgaben. Keine sonderliche Hilfe erfuhren sie, wie es schien, von den offiziellen schweizerischen Stellen in Bem. Auch vom Zollpersonal hüben und drüben war nichts zu erwarten. Der Lohn aus der Arbeit in der Schweiz wurde nur zu 25% in Schweizer Franken ausbezahlt, der Rest in der praktisch wertlosen deutschen Währung. Im allgemeinen durften sie zunächst keine Wahren mitnehmen oder nur mit einer sehr umständlich zu erhaltenden Ausfuhrgenehmigung.

Um mit diesen Problemen fertig zu werden und um der Besatzungsmacht gegenüber geschlossen als Ansprechpartner auftreten zu können, schlug Regierungsrat Mayer aus Eglisau vor, einen Verein zu gründen. So konnte am 10. Februar 1946 mit Einverständnis der örtlichen französischen Kommandantur die Gründungsversammlung mit immerhin 38 Beteiligten stattfinden. Der Verein entfaltete sogleich eine rege Tätigkeit. Da gab es zunächst ganz praktische Aufgaben zu erledigen. So war z.B. die Spendenverteilung für in Not geratene Landsleute bzw. für dürftige Schweizer zu organisieren. Da mussten Lebensmittel- und sonstige Warenpakete verteilt werden, die an der Grenze abzuholen waren. Wie jeder deutsche Verein musste auch der Schweizer Verein seine Versammlungen bei den Franzosen anmelden und um Verlängerung der Ausgehzeit nachsuchen, damit die Besucher nach der Veranstaltung nach Hause gehen durften. Die Sperrzeit galt ja für jeden Einwohner, egal welcher Nationalität. Die Theateraufführungen hatten die Franzosen zu genehmigen. Dazu musste vorher das Textbuch eingereicht werden. Damit bei der 1. August-Feier 1947 auch die Schweizer Fahne gehisst werden konnte, bedurfte es einer Sonderbewilligung. Als die genehmigte Feier dann im Jestetter Löwen ihren Gang nahm, stürmten französische Militärpersonen den Saal und kontrollierten die Ausweise der Anwesenden. Was war geschehen? Die Vereinsführung hatte vergessen, den örtlichen Kommandanten einzuladen. Ein anderes Problem waren die Verluste und Schäden, die Schweizer Staatsangehörigen durch den Krieg oder durch die Währungsreform entstanden waren. Es galt aber auch, die Schulbesuchsschwierigkeiten für die Kinder zu lösen, die Schulen in der Schweiz besuchten. Das dort zu zahlende Schulgeld gab Anlass für immer neue Verhandlungen. So mussten manche Hurden bewältigt werden, die der damaligen Vereinsführung sicher manch schlaflose Nächte bereitet hat. Aber auch heute kämpfen wir um aktuelle Themen die uns beschäftigen wie z.B. die freiwillige AHV, fragen um den Militärdienst, Einbürgerungsfragen ect.

 

 

Aktuelle Situation

Der Schweizer Verein Helvetia Jestetten und Umgebung, zählt heute ca. 110 Mitglieder, die Tendenz ist steigend. Die Mitglieder setzen sich zusammen aus Schweizern vom westlichen Bodensee bis hinauf in den Schwarzwald. Die nächstbenachbarten Vereine befinden sich in Freiburg und Tuttlingen. Kontakte zu anderen Schweizervereine werden nicht gepflegt. Dazu ist man wohl selbst zu nahe an der Heimat. Allerdings nimmt der Vorstand immer an den Tagungen der Präsidenten der Schweizervereine in Deutschland teil. Diese werden jährlich in einer  anderen deutschen Stadt veranstaltet. Hier werden aktuelle Probleme erörtert, der Kontakt mit der Schweizer Botschaft in Bonn gehalten und den Resolutionen verfasst. Um die Unkosten während eines Vereinsjahres zu decken, erheben wir einen bescheidenen Jahresbeitrag von DM 12.-

 

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